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Meinungsfreiheit gilt für alle: Populisten, Gutmenschen, Flüchtlinge (von Marcus Hanke)

Symbolbild: © Traumbild, fotolia
Kommentar von Marcus Hanke, Witten
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Dieser Tage bin ich hin und hergerissen. Der Anschlag in Berlin hat mich, hat uns, kurz vor den Feiertagen tief erschüttert. Wie damit umgehen? Die Gedanken sind frei und die Gefühle natürlich erst recht. Eine Einordung der Gedanken und Gefühle tut not.

Mit dem Anstieg der Flüchtlingszahlen stieg auch die Zahl derer, die sich kritisch bis radikal-populistisch äußerten. Und auch in meinem Familien- und Bekanntenkreis gehört wahrlich nicht jeder zur Gruppe der sogenannten Gutmenschen.

Folgende Meinungen dürften in der Gesellschaft wohl am häufigsten vertreten werden:

  1.  maximal radikal: keine Flüchtlinge in der BRD. Alle abschieben! Zäune hoch! Merkel muss weg!
  2.  gemäßigt populistisch: Kinder, Frauen und Familien aus Kriegsgebieten sind akzeptiert. Alle jungen Männer raus! Einzelne, die wirklich verfolgt werden, sollen erstmal bleiben. Aber später bitte wieder raus hier.
  3.  Gutmenschentum: alle dürfen rein. Wir schaffen das!

Es existieren selbstverständlich diverse Grautöne hierbei.

Und ich merke es an mir selbst. Wenn erhebliche Taten von Einzelnen die Presse und soziale Medien durchfluten, bin auch ich wankelmütig in meinem Mitgefühl und meinen Gedanken.

So fragte ich mich vor etwa einem Jahr (Silvester) durchaus, ob jeder junger Mann aus Marokko und Tunesien ein Bleiberecht bekommen sollte.
Nach dem Mord an den jungen Studentin in Freiburg verschärfte sich dieser innere Konflikt in mir. Was wird zukünftig noch geschehen, wenn einzelne junge Männer nicht wissen, wohin mit ihrem Frust, ihrer freien Zeit und ja… ihrer vorhandenen sexuellen Energie?

Perspektivlosigkeit und Frust sind immer Risikofaktoren für unüberlegtes, rechtswidriges Verhalten. Doch genau das haben viele Flüchtlinge mit den besonders radikalen Populisten gemein. Perspektivlosigkeit und Frust herrscht zu oft auch an den Stammtischen und vor den Bildschirmen dieser Republik. Die Angst, die Sorge, dass ein hergezogener mehr bekommt oder (uns) etwas wegnimmt, tötet jedes Mitgefühl in uns für die Hilfsbedürftigen aus den Krisengebieten.
Wenn noch die Angst vor Anschlägen und vor Überfällen hinzu kommt, wird das Gutmenschentum auf eine harte Probe gestellt. Und nicht wenige wechseln das Lager dieser Tage und fordern zusätzlich: „Merkel muss weg!“

Die Erkenntnis, dass es keine einfachen Antworten (auf unseren inneren Konflikte) gibt, entbindet uns nicht davon, nach ihnen zu suchen. Und mit jeder radikalen Tat, werden die Fragen lauter.
Doch gerade das ist gelebte Demokratie:

  • (Fast) jede Meinung öffentlich äußern zu dürfen.
  • Darauf einzugehen und sie im Rahmen der Meinungsfreiheit (mit dem Mund) zu bekämpfen und kommentieren zu dürfen.
  • Aus diesem Dialog, der derzeit sehr aggressiv geführt wird, neue Erkenntnisse zu gewinnen.

Wir SOLLTEN uns jede Meinung anhören. Wir MÜSSEN jedoch auf jede Meinung eingehen, wo es Vernunft, Mitgefühl, Gewissen und Rechtsstaatlichkeit gebietet. Das gilt für Gutmenschen, Populisten und für geflüchtete Menschen.

Zum Unfall oder Anschlag am 19.12.2016 in Berlin (Weihnachtsmarkt) (von Marcus Hanke)

jesuisberlin
Kommentar von Marcus Hanke, Witten

Ich bete für die Opfer, ich bete für Berlin, ich bete für Deutschland. Ich bete dafür, dass es ein Unfall war. Denn ein Anschlag im Herzen unserer abendländischen Seele, würde den Hasspredigern und Populisten in die Hände spielen. Und genau das, so ist zu vermuten, würden Terroristen damit hervorrufen wollen.

Terroristen hätten sich damit nicht nur an den Toten und Verletzten versündigt. Sie hätten mit einem Anschlag in der deutschen Hauptstadt, dem Zentrum der deutschen, christlichen Lebenskultur, ihr Gift in unseren freiheitsliebenden, toleranten, Weltoffenheit atmenden Organismus gespritzt. Wir dürfen das nicht zulassen. Wir müssen ein Gegenmittel gegen dieses, uns selbst zerstörende, Gift finden.

Wir leben in einer verunsicherten Welt, deren Umwälzung wir gerade erleben. Die vermeintliche Freiheit, die man uns durch das Internet gab, hat sich gegen uns gerichtet. Religionen, die schon seit Jahrhunderten gegeneinander ankämpfen, haben ein neues Schlachtfeld entdeckt. Das Blut fließt uns nun über unsere kleinen und großen Bildschirme entgegen. Hass und Angst wachsen in unseren einst unschuldigen Seelen und suchen ein Ventil. Der Druck entläd sich in banalen Schuldzuweisungen und Hasspostings. Jeder Anstand geht verloren. Und wir entschuldigen die Entgleisungen mit der Sorge um unser Vaterland und unsere Kindern.

Noch sind es verbale Entgleisungen. Noch sind es nur Stimmen, die auf das Gift reagieren und wiederum zu Gift werden. Doch was wird morgen sein? Was wird passieren, wenn die vergifteten, schreienden Hetzer, nicht nur verbal angreifen?!

Wir können nicht das Internet abschaffen. Auch können wir nicht jeden Terroristen stoppen. Wir können nur selbst dafür Sorge tragen, dass ihr Gift uns nicht zerstört. Denn genau das wollen sie.

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